„Sein Geruch nach dem Regen“ erzählt die Geschichte des Sportlehrers und Alpinisten Cédric Sapin-Defour und seines Berner Sennenhundes Ubac. Es ist eine Geschichte über bindungslose, artübergreifende Liebe, Freundschaft und Familie; eine Geschichte darüber, wie sehr ein Tier dich und dein Leben prägt – und wie tief der Schmerz ist, wenn dieses Tier eines Tages seinen letzten Atemzug getan hat. Für Cédric Sapin-Defour war die Trauer um Ubac erdrückend und sie ließ ihn lange Zeit nicht los – bis er eines Tages begann, ein Buch über Ubac und sich zu schreiben. Dieses Buch erschien als Roman unter dem Titel „Sein Geruch nach dem Regen“ und wurde nun von José Luis Munuera als Comic adaptiert.
Munuera zeigt uns, wie sich Cedric und Ubac fanden, wie aus diesen zwei Partnern schließlich eine fünfköpfige Familie aus zwei Menschen und drei Hunden wurde, wie sie gemeinsam die Natur erleben, was sie einander bedeuten, wie Ubac jedes Herz erobert – und wie die Familie eines Tages Abschied von Ubac nehmen muss. Solche Momente wecken an sich schon vielfältige Emotionen von Freude und Glückseligkeit bis hin zu Traurigkeit. Doch wie Munuera das visuell eingefangen hat, macht unsere Gefühle beim Lesen umso intensiver: In Ubacs und Cedrics Mimik und Gestik spiegelt sich in jeder Szene, was beide in dem Moment fühlen und füreinander empfinden – auch ohne Worte. Aus den Augen von Cedric und Ubac spricht die pure Liebe, eine Liebe, die sie alles um sich herum vergessen lässt. Wir spüren, dass beide einander brauchen, sich gegenseitig guttun und alles füreinander tun würden.
Neben all diesem Glück zeigt uns José Luis Munuera aber auch, womit Tierhaltende immer wieder konfrontiert werden: Vermieter*innen, die keine Tiere in ihren Wohnungen dulden; spießige Schulleitungen, die nicht anerkennen, welche Bereicherung ein Hund für die Schulgemeinschaft darstellt; Menschen, die den Wert eines Tieres absprechen wollen. Während eines Dates wird Cedric bspw. dafür kritisiert, dass ihm sein Hund wichtiger ist als Lady Diana (!). Als Cedric daraufhin antwortet: „Es gibt nur wenige Menschen, deren Tod mich mehr bekümmern würde als der von Ubac. Vielleicht sogar keiner!“ (S. 35), spricht er damit aus, was viele Tierhaltende empfinden. Menschen, deren Leben nie von einem Hund, einer Katze oder einem anderen Tier jahrelang geprägt war, werden das nie nachvollziehen können. Doch wer einmal ein Seelentier hatte, das pausenlos an der Seite gewesen ist, seinen Menschen durch verschiedene Lebensphasen mit allen Hochs und Tiefs begleitet und unterstützt hat, weiß genau, was Cedric meint – und spürt für das eigene Tier die gleiche Angst vor dem in der Zukunft liegenden Abschied (schrieb die Autorin dieses Beitrags mit einem Blick auf ihren Senior-Kater, der seit 17 Jahren Teil ihres Lebens ist). Für genau diese Menschen wird „Sein Geruch nach dem Regen“ zu einer gefühlsintensiven, aufwühlenden Lektüre, die die Lesenden vor Freude strahlen lässt – und später zu Tränen rührt. Ich jedenfalls habe mitgeliebt, mitgelacht und mitgelitten.
Abgerundet wird Munueras Adaption durch die perfekt gewählten Farben von Sedyas: Nie wirken Bilder grell, trist, zu dunkel oder zu hell. Stattdessen haben wir eine Palette an gedeckten, ruhigen, naturnahen Farben, wodurch die Bilder mitunter an verblassende Farbfotos erinnern. Das passt hervorragend zu den vielen in der Natur spielenden Szenen und gibt Raum, damit die Mimik von Cedric und Ubac wirken kann.
„Sein Geruch nach dem Regen“ ist einer jener Comics, bei denen absolut alles stimmt und on point ist – und die dich auf wenigen Seiten mehr berühren als so mancher 500-Seiten-Roman oder 3-Stunden-Film. Für mich ist José Luis Munueras Comic aber auch der Anstoß, nun Cédric Sapin-Defour Roman zu lesen und noch mehr Zeit mit ihm und Ubac zu verbringen.
Fazit:
So traurig, so schön, so voller Leben, voller Liebe. Einer der berührendsten Comics, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.
José Luis Munuera: „Sein Geruch nach dem Regen“, nach dem Roman von Cédric Sapin-Defour, Farben: Sedyas, aus dem Französischen übersetzt von Anne Bergen, Splitter 2026, ISBN: 978-3-98721-447-9

Mich ärgert es auch unermesslich, dass die Sorge um ein Tier unter alles Mögliche untergeordnet werden muss. Habe ich auch schon am eigenen Leib erfahren müssen. Da kam dann der Spruch „Das habe ich jetzt nicht gehört!“, als ich einmal darauf verwies, dass diese für mich eventuell eine höhere Priorität haben könnte als gewisse andere Dinge…