„Morgana & Oz“ musste mich im vergangenen Jahr zweimal überzeugen, damit ich es kaufe: Zuerst begeisterte mich die Idee, dass eine Hexe einen Vampir versehentlich(!) in eine Katze verwandelt. Die Beschreibung der Story als eine moderne Interpretation des „Romeo und Julia“-Themas schreckte mich dann aber etwas ab. Auf der Leipziger Buchmesse 2025 überzeugte mich der Manga beim Anlesen aber schließlich doch mit seinem Humor und dem ausdrucksstarken Zeichenstil von Miyuli. Dieser positive Eindruck sollte sich nun beim Lesen des gesamten ersten Bandes nicht nur bestätigen, sondern verstärken.

Wie erwähnt, weist der Manga Parallelen zu Shakespeares Drama auf, aber diese sind nur das Anfangssetting, nur der Anstoß für eine ganz eigene, vielseitige Geschichte über Freundschaft, Familie, Vorurteile und Zugehörigkeit. Der Clan der Vampire und die Hexenfamilie Winterberry sind seit langer Zeit verfeindet. Das möchten die Winterberrys nun ändern und laden die Vampire zu sich ein. Doch wie nach solch langer Feindschaft zu erwarten war, verläuft das Treffen alles andere als harmonisch und die Lage eskaliert. In diesem Chaos verwandelt die tollpatschige, noch wenig begabte Junghexe Morgana den Vampir Oz versehentlich in einen weißen Kater. Bis es ihr gelingt, Oz zurückzuverwandeln, lebt er bei Morgana und ihrer Familie – die nichts von dem verzauberten Oz weiß. Logisch, dass dieser Alleingang nicht gutgeht. Dennoch hat die Situation etwas Gutes: Sowohl Morgana als auch Oz lernen die jeweils andere Seite besser kennen. Vor allem Oz revidiert dadurch schnell seine negative Meinung über Hexen, hinterfragt die anhaltende Feindschaft und verteidigt Morgana gegenüber den Menschen in der Stadt, die Vorurteile gegenüber den Hexen haben und teilweise gewalttätig werden.

Vor diesem Hintergrund greift Mangaka Miyuli viele Aspekte des Miteinanders auf: Eltern, die ein Lieblingskind haben und das andere Kind diese Bevorzugung spüren lassen; verhärtete Fronten, die eine Versöhnung erschweren, weil man einander zu sehr misstraut; Diskriminierung und Gewalt gegenüber jenen, die in irgendeiner Weise anders sind.

Zwischen Oz und Morgana lässt Miyuli dabei langsam eine Freundschaft entstehen. Trotz der „Romeo und Julia“-Ausgangsbasis gibt es also weder Kitsch noch Romantik, sondern ein realistisches Annähern und Kennenlernen.

All das erzählt Miyuli in wunderschönen, vollfarbigen Bildern, bei denen vor allem die Mimik und Gestik von Kater Oz hervorsticht, sowie mit viel Humor, der mich mehrmals laut lachen ließ (was mir beim Lesen quasi nie passiert).

Fazit:

Katzen, Hexen, Vampire, dazu Humor und dennoch Tiefe – die Serie „Morgana & Oz“ startet vielversprechend und ich freue mich auf die Folgebände.

Miyuli: „Morgana & Oz, Band 01“, aus dem Englischen übersetzt von Ronja Roch, altraverse 2024, ISBN: 978-3-7539-2990-3

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