Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage ist es erstaunlich, dass erst drei Monate dieses Jahres vergangen sind – die Meldungen reichen für ein ganzes Jahr. Wer eine Pause von all dem Negativen und den Problemen in der Welt braucht, ist eingeladen, rein buchbezogene Beiträge des letzten Quartals zu entdecken.
Buchbesprechungen
Über die Werke von BROM habe ich schon so viel Gutes gehört, aber dennoch bis heute keines seiner Büchern gelesen. Das könnte sich nach der Besprechung von „Slewfoot“ auf Letusreadsomebooks ändern, die einen zwar brutalen, aber sehr politischen, feministischen Roman verspricht.
Titel und Cover von Sayaka Muratas „Das Seidenraupenzimmer“ erscheinen mir viel zu harmlos angesichts dessen, was alles in diesem Roman steckt. Mit seiner Fülle an heftigen Ereignissen und Entwicklungen sorgt er für gespaltene Meinungen. Anette gehört zu jenen, die die Lektüre begeistert hat und resümiert auf nettebuecherkiste, dass sie den Roman „auf eine seltsame, symbolische Art und Weise als empowernd empfunden habe“.
Wie können wir damit umgehen, wenn Personen aus Literatur, Musik, Kunst, Film und Fernsehen, deren Werk wir schätzen, sich als gewalttätig, diskrimierend oder demokratiefeindlich herausstellen? Im öffentlichen Diskurs scheint es nur zwei extreme Umgangsformen damit zu geben: ein „Trennen von Kunst und Kunstschaffenden“ versus „Absolute Vermeidung“. Die Realität ist aber oft komplexer. Der Frage nach dem Umgang geht auch Claire Dederer in „Monsters: What Do We Do With Great Art By Bad People?“ nach. Miss Booleana hat’s gelesen und lässt uns bereits wissen, dass auch dieses Buch keine abschließende Antwort auf die Frage nach dem richtigen Umgang liefern kann.
In Anna Februarys Jugendbuch „The Hive“ lebt eine Gesellschaft in einem Bergstollen. Es herrschen strenge Hierarchien, die an einen Bienenstock erinnern und die gnadenlos sind. Auch wenn die Umsetzung einige Schwachstellen aufweist, konnte Danielas Besprechung auf Verlorene Werke meine Neugier auf das Buch wecken.
Buchwelten
Sabine von Binge Reading & More war im Literaturhaus München, um sich die Ausstellung „Tove Jansson – Die Welt der Mumins“ anzusehen. Ihre Eindrücke von der Ausstellung (bei der man sogar das blaue Muminhaus betreten kann) fassen gut zusammen, warum auch ich die Mumins so wertvoll, wohltuend und zeitlos finde: „Hier zählen Freundschaft und Geborgenheit, aber genauso der Eigensinn, die Sympathie für Außenseiter*innen, die Lust, Regeln auch mal zu ignorieren, wenn sie keinen Sinn ergeben. Freiheit ist hier kein großes Wort, sondern Alltag.“
Aus dem einladenden, bunten Mumintal kommen wir nun in eine gänzlich andere, düstere Welt – nämlich die von Stephen King. Stefan Preis begab sich auf die Suche nach Elementen nordeuropäischer Folklore im King-Kosmos. Auf Fantastische Antike teilt er mit uns, wo und wie uns in Kings Werken Kobolde, Korndämonen oder auch der deutsche Butzemann begegnen.
Habt ihr euch schon einmal darüber Gedanken gemacht, welcher jeweiligen Unternehmsform die verschiedenen Verlage angehören und welche Auswirkungen das gegebenenfalls auf ihre Publikationen und ihre Wirtschaftlichkeit hat? Ich jedenfalls nicht. Umso interessanter fand ich daher Tobis Auseinandersetzung mit dem mareverlag, der seit diesem Jahr eine Genossenschaft ist. Für seine Analyse auf Lesestunden blickt Tobi auf die Historie der Büchergilde zurück, die diesen Schritt bereits vor Jahren ging, und zieht für sich das positive Fazit: „ich finde diesen Schritt wunderbar, denn er gibt auch Gelegenheit dazu, meinen Lieblingsverlag zu unterstützen und wenn auch nur ganz wenig, so doch zu einem ganz kleinen Teil dieses Projekts zu werden.“
Im Rahmen der 2014 vom Blog Bücherphilosophin initiierten Beitragsreihe “Die Sonntagsleserin” teile ich am ersten Sonntag es Monats eine Auswahl an Online-Beiträgen, die mir zuletzt besonders gefielen und die von euch entdeckt werden sollten.

Vielen Dank für die Nennung! :-)
Eine schöne Sammlung! Ich kannte dieses mal schon zwei, drei Links, die anderen sind nun geöffnete Tabs. :) Vielen Dank, dass ich in der Runde dabei sein darf.
Ja, ich hab angeteasert, dass es nicht 100% zufriedenstellende, klare Antwort geben wird in Dederers „Monsters“. Irgendwie will man das schon wissen, wenn man sich auf ein Sachbuch einlässt, dass im Titel schon eine Frage stellt, dachte ich. Viel wichtiger ist aber finde ich Dederers Take auf die vielen verwandten Fragen. Cancel Culture zum Beispiel – wem nützt die? Wem nicht? Da sind einige spannende Denkanstöße dabei.
Ja, einige haben diese Erwartung wohl an Sachbücher. Aber wie so oft: Es ist komplex und es gibt nicht immer einfache oder eindeutige Antworten. In meinen Augen muss ein Buch, Film, Podcast, Artikel etc. auch nicht die eine Artwort liefern. Viel wichtiger ist bei einem Sachbuch, meiner Ansicht nach, dass es neue Perspektiven eröffnet, mich mit Fragen oder Problematiken konfrontiert, die ich bis dahin nicht auf dem Schirm hatte, und Prozesse des Analysierens und Reflektierens anstößt. Das scheint Dederer zu tun.